Herzstiftungs-Sprechstunde

Nach Herz-OP: Wann wieder auf der Seite schlafen? Schutzgürtel tragen? Ziehende Schmerzen bedenklich?

Redaktion: Dr. med. Karl Eberius | ➞ 20 Kommentare  

Fragen nach einer Herz-OP
Wurden Ihnen alle wichtigen Fragen beantwortet?

Nach einer Herz-OP hat man erfahrungsgemäß viele Fragen. Vor einiger Zeit wurde in der Herzstiftungs-Sprechstunde z. B. um Infos gebeten, ab wann man nach einer Bypass-OP wieder auf der Seite schlafen darf, welche Schmerzen im Anschluss an den Eingriff normal sind bzw. welche als Vorboten für erneute Probleme am Herzen zu deuten sind und wie lange eine Manschette zum Schutz des noch instabilen Brustbeines getragen werden muss? Hier die Antworten von Prof. Dr. med. Dieter Hammel, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Die Sprechstunden-Frage: Mitte Dezember vergangenen Jahres hatte ich einen Hinterwandinfarkt, mir wurden drei Bypässe gelegt. Gerne würde ich wissen, wie ich erkennen kann, ob die ziehenden, leichten Beschwerden in der Mitte der oberen Brust von den Drähten herrühren, mit denen das Brustbein fixiert wurde? Oder kann es sich dabei um einen zweiten Infarkt handeln, der sich so ankündigt? Eine zweite Frage ist, wie lange ich die Manschette zum Schutz des operierten Brustbeines tragen muss? Mir ist es nicht wichtig, die Manschette so schnell wie möglich abzulegen, aber ich will sie auch nicht länger als unbedingt nötig tragen. Und schließlich: Ab wann darf ich wieder auf der Seite schlafen? (Martin S., Münster)

Die Experten-Antwort:

Professor Dr. med. Dieter Hammel
Prof. Dr. Dieter Hammel, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Herzstiftung.

Zu Ihrer ersten Frage: Die Unterscheidung zwischen einerseits „echten“ Herzbeschwerden und andererseits Schmerzen, die noch von der Durchtrennung des Brustbeins kommen, kann manchmal schwierig sein.

Hilfreich zur Klärung ist oft die Frage, in welcher Situation die Beschwerden in Erscheinung treten. Für Schmerzen vom Brustbein kann z. B. sprechen, wenn die Beschwerden bei bestimmten Bewegungen auftreten oder beim Niesen bzw. Husten, wodurch oftmals nicht zu unterschätzende Kräfte auf den Brustkorb wirken. Hingegen kann für das Herz als Ursache sprechen, wenn sich die Beschwerden in Situationen entwickeln, in denen das Herz vermehrt arbeiten muss und entsprechend belastet wird, also z. B. beim Treppensteigen und bei anderen körperlichen Anstrengungen oder auch bei Hitze und Kälte, wie etwa beim Verlassen des Hauses an einem kalten Wintertag.

Wichtig: Lässt sich nicht sicher sagen, woher die Beschwerden kommen und hat man den Verdacht, dass der Herzmuskel die Ursache sein könnte, ist unbedingt eine eingehendere kardiologische Untersuchung zu empfehlen. Oft können z. B. mit einem Belastungs-EKG oder einer Echokardiographie wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, weshalb man neu auftretende Schmerzen nach einer Herz-OP auf jeden Fall beim Arzt ansprechen sollte.

Zu Ihrer zweiten Frage: Mit der „äußeren Stabilisierung“ des Brustbeins durch eine Manschette ist es so eine Sache – letztlich ist unklar, ob ein solcher Rippengürtel tatsächlich die gewünschte Wirkung hat (=das Vermeiden einer Brustbeininstabilität). In meiner Klinik werden diese Stabilisatoren daher nicht mehr verordnet.

Zu Ihrer letzten Frage: Ich empfehle meinen Patienten, das Schlafen auf der Seite auszuprobieren, sobald die Wundschläuche entfernt wurden, was oft am zweiten Tag nach der Operation der Fall ist. Sollte die Seitenlage noch schmerzhaft sein, versucht man es einfach zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal und schläft bis dahin weiter auf dem Rücken. Besondere Probleme für die Heilung des Brustbeines kann ich beim Schlafen auf der Seite jedenfalls nicht erkennen. Im Zweifel sollten Sie sich mit Ihrem Operateur in Verbindung setzen, ob in Ihrem Fall ggf. Besonderheiten zu berücksichtigen sind.

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Die Sprechstunden-Frage hat beantwortet: Professor Dr. med. Dieter Hammel, Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie am Klinikum Links der Weser, Bremen. Zu den klinisch-wissenschaftlichen Schwerpunkten des Herzchirurgen zählen u. a. Bypass- und Herzklappenoperationen.

Redaktion: Dr. med. Karl Eberius

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Bislang 20 Kommentare  

Heinz A. aus Winterbach (22.12.2019): Hallo Deutsche Herzstiftung, meiner Frau (72 Jahre) wurde ein Bauch-Aneurysma behandelt und Operiert (8 Stunden OP). OP war am 03.11.19 und sie hat immer noch starke Bauchschmerzen. Sind diese Schmerzen normal und wie lange werden sie diese Schmerzen noch haben? (sollte ich diese Frage an die Sprechstunde stellen? Ich bin Mitglied bei Ihnen. Dann bitte um Nachricht per Email.)

Antwort der Deutschen Herzstiftung: Vielen Dank für Ihren Kommentar. Für Fragen zu diesem Thema können Sie am einfachsten die » Sprechstunde der Herzstiftung nutzen, da unsere Herzexperten an dieser Stelle keine Nachfragen beantworten können. Alles Gute und herzliche Grüße! Ihre Deutsche Herzstiftung

Petra K. aus Bad Köstritz (08.12.2019): Ich wurde vor einem Jahr in der Uniklinik Jena operiert (Aortenklappe und Prothese Aorta ascendens). Ich sollte nur auf dem Rücken schlafen und mir wurde eine stabilisierende Weste angelegt. Auf dem Rücken schlafen konnte ich nicht, da ich einen Dekubitus am Steißbein hatte. Die Weste hat mich so belastet, dass ich sie nur während der Reha bei stärkerer Beanspruchung getragen habe. Trotzdem hatte ich keine Probleme bei der Heilung des Brustbeins. Ein leichtes Ziehen bemerke ich nach Heben oder z.B. intensiver Gartenarbeit.

Peter H. (29.11.2019): Versuche erst einmal ruhig zu bleiben und zu sehen, ob die Schmerzen bei geänderter Lage im Bett weiter bestehen oder verschwinden!

Paula T. aus Vinaros (29.11.2019): Super, wusste nicht, dass es so viele Fragen dies betreffend gibt! Die Zeit nach meiner OP ist ohne Fragen gut verlaufen!

Reinhard P. aus Wiesbaden (28.11.2019): Mir wurde ein Tumor (Lipom) aus dem rechten Atrium entfernt, welches mit einem Patch aus Rinderperikard versorgt wurde. Ich hatte keinerlei Probleme auf der Seite zu schlafen, nachdem die Drainagen entfernt wurden. Keinerlei Schmerzen beim Umdrehen und auch sonst nicht. Liegt wohl auch daran, wie sauber das Sternum wieder zusammengefügt wurde.

Bernd B. aus Consrade (27.11.2019): Ich wurde im Mai 2019 operiert (3 Bypässe). Ich kann nur sagen, dass ich während der anschließenden Reha immer noch Schmerzen im Brustkorb hatte, welche mich sehr beunruhigten. Sogar bis heute, also ein halbes Jahr nach der OP habe ich ab und an Schmerzen im Brustkorb obwohl das Belastungs-EKG und das Herz-Echo nicht zur Beunruhigung dienen, alles o.k.

Jacqui aus Hamburg (27.11.2019): Ich schlafe nach 3 Jahren immer noch auf dem Rücken da es manchmal in der Seitenlage Probleme mit der Narbe habe. Eine Manschette hatte ich nie.

Gerd F. aus Springe (27.11.2019): Ich habe nach einer Herz OP auch Schmerzen auf der rechten Brustseite. Ursache unklar. Machen sich aber nach Sport (Herzsportgruppe) stärker bemerkbar.

Klaus I. aus Mannheim (27.11.2019): Ich habe Ende Oktober 2018 in der Klinik Lu (Herzchirurgie) sechs Bypässe bekommen. Eine Manschette wurde nicht verordnet und ich konnte nach einer Woche ohne Schmerzen in Seitenlage schlafen.

Walter K. aus Hamburg (27.11.2019): Ich habe 2015 eine 5-fach Bypass op erhalten. Die mir im Krankenhaus verordnete Manschette war zu klein, so dass ich ständig Atemnot hatte. Eine Reha gab es auch nicht, erst etwa sechs Wochen später. Erforderlich wäre eine Selbstanfahrt gewesen. Da ich zu schwach war, habe ich diese absagen müssen. Ich litt außerdem unter ständigem Schluckauf. Nach etwa 3 Monaten besserte sich sowohl Atemnot, als auch Schluckauf. Bis heute habe ich mich von der Op. nicht erholt. Geringste Anstrengung , z.B rasieren, wird mit Atemnot "belohnt". Durch die zu enge Manschette konnte gar nicht in Rückenlage schlafe, drohte zu ersticken. Habe stets auf leichter Seitenlage geschlafen.

Franz B. aus Südtirol (27.11.2019): Ja sehr, bin nun beruhigt.Nach ca.6 Wochen sind die Schmerzen ziemlich ausgeblieben, allerdings durfte ich auf Empfehlung der Ärzte die ersten 4 Wochen nur auf den Rücken schlafen.

Dieter P. aus Nettetal (27.11.2019): Meine Herz - OP war im Juni 2011. Ich habe damals 2 Bypässe bekommen. Es ist alle soweit i. O. Mit dem Schlafen ist das so eine Sache. Ich kann bis heute nicht kpl auf der linken Seite schlafen. Es ist immer nur eine halbe Seitenlage, weil sonst der Druck zu stark wird und ich davon wach werde.

Hans K. aus Eisleben (27.11.2019): Danke für die Aufklärung. Ich hatte auch Wochen nach der OP immer noch Bedenken hisichtlich des Schlafens in der Seitenlage, bin nun beruhigt.

Wolfgang K. L. (27.11.2019): Die selbe Situation war bei mir im März 2015. Ein junger Arzt sagte mir damals, dass ich auf keinen Fall auf der Seite liegen darf. Mein Physiotherapeut sagte hingegen, dass ich mich so hinlegen soll, wie ich mich wohl fühle. Es beruhigt mich, dass nun auch Herr Prof. Dr. Hammel diese Meinung vertritt. Eine Manschette habe ich auch nicht getragen. Ich wurde in Bad Krozingen operiert (3 Bypässe). Der Patient sollte auf sich selbst hören, die Grenzen werden schmerzbedingt automatisch gesetzt. Ich hatte keine Probleme auf der Seite zu liegen.

Thomas S. aus Pirmasens (27.11.2019): Sehr hilfreich und informativ, ich folge den Empfehlungen und mein Kardiologe stimmt zu

Werner W. aus Hohenstein (26.11.2019): Habe ein Mitralklappenrekonstruktion mit Brustbeintrennung gerade hinter mir (23.09.19). Tagsüber habe ich einen Schutzgürtel getragen. Nachts habe ich auch auf den Seiten geschlafen. Alles ohne Probleme. War die ganze Zeit relativ schmerzfrei.

Simone W. aus Bocholt (26.11.2019): Ich hätte auch einen dreifachen Bypass und habe bereits nach dem Entfernen der Schläuche im Krankenhaus in leichter Seitenlage mit Kissen gestützt super geschlafen. Mir wurde nur untersagt die Arme über oder hinter den Kopf zu nehmen, bis das Brustbein zusammengewachsen ist. Beim Husten oder Niesen habe ich nach gut zwei Jahren immer noch im Brustbereich.

Dr. Wolfgang A. aus Marl (26.11.2019): Ich halte generell derartige Informationen für extrem nützlich, auch wenn man zurzeit nicht direkt betroffen ist, aber schon mit 'Stents' versorgt wurde. MfG.

Siegfried A. aus Schwerin (26.11.2019): Ich bin im September 2019 wegen einem Aneurysma am Herzen operiert worden. Ich habe bis heute noch Schmerzen jeden Morgen nach dem Schlafen. Die ersten sechs Wochen konnte ich gar nicht auf der Seite schlafen erst jetzt geht es langsam.

Claus P. aus Karlsruhe (26.11.2019): Ich habe am 20.09.19 eine biologische Aortenklappe erhalten. Dazu wurde auch mein Brustbein durchtrennt. Jetzt nach 2 Monaten schlafe ich für kurze Abschnitte auch auf der Seite. Das Drehen ist zwar nicht ganz schmerzfrei, aber nach 2 Monaten nur Rückenlage ist es einfach nur schön.

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